Arzneimittelbilder

Kuschick, Artikel im "Patientenforum" des BPH*

Das Arzneimittel, das in keinem Haushalt fehlen sollte - auch wenn man sonst nicht homöopathisch behandelt - ist Arnika montana.
Diese Pflanze, die im deutschen Sprachgebrauch meist Bergwohlverleih genannt wird, ist im Alpenraum heimisch und wird dort bis in eine Höhe von 2800m über dem Meer vor allem auf feuchten Bergwiesen gefunden. In ihr wurden viele verschiedene arzneiliche Inhaltsstoffe nachgewiesen, die entzündungshemmend, schmerz-lindernd, wundheilend, desinfizierend, durchblutungs-fördernd, krampflösend, kreislaufanregend und herz-stärkend wirken.
     
 
Arnika ist nicht nur nach schweren Gebirgstouren angezeigt, sondern man kann sie in homöopathischer Zubereitung fast pauschal bei jeglicher Form der Verletzung, bei der Blut aus den Gefäßen ins Gewebe tritt, anwenden. Ob es sich dabei um Prellungen, Stauchungen, Zerrungen, Verrenkungen, Quetschungen, Platzwunden, Schnittverletzungen, größere Stiche, Bisswunden, Knochenbrüche oder Gehirnerschütterung oder eine Kombination mehrerer Verletzungsarten handelt, ist für den Laien oft nicht erkennbar.

Umso wichtiger ist also die einfache Regel: nach schwereren Verletzungen sollte so früh wie möglich eine Gabe Arnika C30, bei schweren Verletzungen auch höher, gegeben werden. Bewährt hat sich die Gabe von Arnika auch während der Geburt, wenn kein anderes Mittel eindeutig angezeigt ist, um Schmerzen zu lindern, Blutungen zu stillen und die Geburt reibungsloser ablaufen zu lassen. Doch auch leichtere Verletzungen wie Beulen, kleinere Blutergüsse , Muskelkater oder Beschwerden nach Überanstrengung sind mit Arnika behandelbar, jedoch genügt meist die einmalige Gabe der Potenz C30.

Es gibt inzwischen wissenschaftliche Untersuchungen, die belegen, dass Wundheilungen auch nach Operationen schneller, schmerzfreier und unkomplizierter - indem vor allem deutlich weniger Wundinfektionen auftreten - verlaufen, wenn nach dem Eingriff Arnika verabreicht wurde.
Das homöopathische Arzneimittelbild gibt genauere Hinweise, wann Arnika montana anderen Mitteln vorzuziehen ist. Demzufolge ist es nicht nur ein Akutmittel bei Verletzungen, sondern besonders geeignet auch für die Folgen von Verletzungen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um körperliche oder psychische, kurzfristig andauernde, wie bei Schock, oder dauerhafte Beschwerden handelt. So können zum Beispiel Kopfschmerzen, Lähmungen, Rheuma, Durchfall, Hautausschläge oder Angstzustände teilweise noch Jahrzehnte nach dem auslösenden Ereignis mit Arnika behandelt werden.

Die Patienten, die Arnika benötigen, sind in der Regel einerseits sehr empfindlich, fühlen sich wund und wie zerschlagen, machen sich Sorgen, sind ängstlich und hypochondrisch, andererseits wollen sie in Ruhe gelassen werden, sagen, es sei nicht so schlimm und schicken den Arzt selbst dann weg, wenn sie schwer krank sind. Wenn das Bewußtsein eingetrübt ist, antworten sie jedoch angemessen auf Fragen, um anschließend wieder wegzudämmern.
Die Patienten sind ruhelos, finden keine bequeme Lage, vertragen nicht die kleinste Erschütterung oder Berührung. Die Beschwerden sind generell nachts schlimmer. Tritt Fieber auf, ist der Kopf heiß, der übrige Körper und die Nase fühlen sich kühl an. Der Appetit ist gering, der Durst richtet sich vornehmlich auf kalte Getränke.

Wer einmal selbst erlebt hat, wie schnell Schwellungen nach Stürzen durch Arnika montana zurückgehen oder Blutungen beispielsweise bei Platzwunden zum Stillstand kommen, wie plötzlich Schmerzen verschwinden, der wird dieses Mittel nicht mehr missen wollen.

Norbert Kuschick, 2000 [Patientenforum 3/2000]
*BPH: Bundesverband Patienten für Homöopathie